Sind Buddhisten Vegetarier?
Angesichts der fürchterlichen Zustände in der Massentierhaltung sollte man glauben, daß der Appetit der Europäer auf Fleisch nachläßt. Andererseit muß man feststellen, daß wir von der Massentierquälerei wenig erfahren und der Mensch aufgrund seiner evolutionären Entwicklung ein Allesesser ist. Zu seiner Ernährung gehörte immer auch Fleisch. In vielen Lebenssituationen haben Menschen auch gar keine Alternative zum Genuß von Fleisch z.B. in jenen Betriebskantinen, in denen nur ein einheitliches Tagesessen angeboten wird.
Von Gotama Buddha muß man annehmen, daß er Vegetarier war, weil er in orthodoxem hinduistischen Umfeld aufgewachsen ist. Der Verzehr von Fleisch ist nicht mit der Forderung nach Mitgefühl gegenüber allem Leben vereinbar. So wie allgemein im Buddhismus üblich, muß aber jeder mit sich selbst ausmachen, was verantwortbar ist und was nicht. Für buddhistische Mönche stellt sich die Frage nach der Art ihres Essens nicht. Sie müssen von dem leben, was ihnen bei ihrem Almosengang in die Schale gegeben wird. Das ist traditionell vegetarische Kost. Es kann in einigen Ländern auch Fleisch sein, wenn die dortige buddhistische Auslegung den Fleischgenuss tolleriert. Dem Mönch wird im Palikanon aber auferlegt, das Fleisch eines eigens für ihn getöteten Tieres nicht zu essen. Auch das legt nahe, daß Gotama Buddha den Verzehr von Fleisch abgelehnt hat.
Es gibt allerdings Berichte darüber, daß in einigen Gegenden in buddhistischen Klöstern Fleisch geradezu als Grundnahrungsmittel verwendet wird. Dies widerspricht objektiv dem Geiste der buddhistischen Ordensregeln und ist mit der Lehre Gotama Buddhas nicht vereinbar. Der Palikanon enthält auch einige bizarre Geschichten zum Thema Fleischgenuss, die nur vor dem Hintergrund des Lebens in Indien vor 2500 Jahren verständlich sind. So wird vor dem Verzehr von Menschenfleisch und dem Verzehr des Fleisches von Affen, Leoparden, Schlangen und Elefanten gewarnt. Diese Gebote sind wohl eher Stoff für Psychologen.
Für den Verzehr von Fleisch wird ein Tier getötet, daß Individualität und Empfinden hat. Diese Tatsache müssen Buddhisten vor sich selbst verantworten, wenn sie Fleisch essen. Auch die Verwertung tierischer Produkte wird von vielen Buddhisten abgelehnt. In vielen Tempeln Burmas und Nepals ist das Tragen von Lederkleidung, Ledergürtel und -schuhen verboten.
Es ist doch sehr erstaunlich, daß es immer noch Menschen gibt, die Tieren ein Bewusstsein absprechen. Kein Hunde- oder Katzenhalter, kein Bauer, kein Tierarzt leugnet, daß Tiere Individualität und Empfinden haben. Den Liebhabern eines Steaks soll hier kein schlechtes Gewissen eingeredet werden. Es ist aber sicher nicht zu bestreiten, daß ein guter Käse mindestens so gut schmeckt wie eine gute Wurst. Und gesünder ist er auch.
"Mit drei Fleischessern, die ihren Fleischkonsum halbieren, ist diesem Zweck (weniger Tierquälerei) mehr gedient als mit einem Vegetarier." Dr. Erwin Lauppert, Vegetarier-Bund
"Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen."
Arthur Schopenhauer